Cody, Wiebke, Dehlia

Cody – Ein Hund zum wachsen

Ein Gastbeitrag von Wiebke Grimmig von Inside Out.

Cody – Ein Hund, der mich verändert

Im Nachhinein bin ich froh, dass ich nichts von all’ dem ahnte als ich Cody zu mir holte. Ich glaube nicht, dass ich mich trotzdem auf dieses Abenteuer eingelassen hätte. Und was hätte ich nicht alles versäumt!
Cody kam im November 2015 zu mir. Ein sechs Monate alter Junghund, voller Energie und gleichzeitig ziemlich unerfahren. Eine spannende Kombination für mich, die ich zwar mit einem Hund aufgewachsen war, aber so einen Energie-Level nicht gewöhnt war. Trotzdem verliefen die ersten Wochen einigermaßen entspannt.

                                            Erstes Kennenlernen

Cody und ich gaben uns gegenseitig den „Bonus“ uns erst kennenlernen zu wollen und so habe ich in dieser ersten Zeit v.a. beobachtet. Wie ist Cody drauf? Was will er wann und wieso? Cody machte es mit mir genauso.
Was mir aber schnell klar wurde: All’ die idealisierten Vorstellungen, wie ich mich verhalten wollte sobald mein Hund bei mir war (liebevoll, verlässlich und vor allem ruhig) hatten mit unserem neuen Alltag erst mal nicht viel zu tun.

Statt auch auf mich einzugehen oder zumindest zu erkennen zu geben, dass er mich wahrgenommen hatte, glaubte ich zu sehen, dass Cody mich einfach ignorierte. Aus meiner Sicht machte er einfach sein Ding. Egal ob es sich um eine Begegnung mit den Nachbarn, einer Hunderunde oder dem Haushalt handelte: Cody hatte seine eigenen Vorstellungen davon wie die Welt aussieht und wie man als Hund reagieren muss, wenn man überleben will.

Das hieß: Hunde anbellen, Radfahrer jagen, Jogger waren sowieso doof (was soll das Tempo?!) und wenn mich Freunde umarmen wollten, drohte aus Cody’s Sicht höchste Gefahr. Ich meine das nicht ironisch: Für ihn muss es sehr bedrohlich gewirkt haben.

In mir tauchten schnell Zweifel auf, die sich festsetzten wie Kletten und nicht mehr loslassen wollten:
– Wieso kann ich diesen Hund nicht führen?
– Stimmt was nicht mit mir?
– Bin ich nicht (gut) genug und kann das auch nicht ändern?
– Was BRAUCHT Cody von mir und wie kann ich es ihm geben?

Gerade die letzte Frage ließ mich so manche Nacht wach liegen. Was übersah ich? Ich hatte doch so viel gelesen, mir Videos angesehen und so viel unternommen. Und doch waren wir weit von einem echten Kontakt entfernt.
So komisch das klingt: Die Traurigkeit über diesen Zustand war der Schlüssel.

Über die Monate dämmerte mir, dass ich bisher eines völlig vernachlässigt hatte: Mich selbst!

Ich hatte mich so sehr auf Cody, seine Bedürfnisse als Hund, seinen Charakter und seine Persönlichkeit eingestellt, dass ich mich selbst als unwichtig beiseite geschoben hatte. Kein Wunder, dass Cody mich nicht so wahrnahm wie ich es wollte! Ich tat es ja selbst nicht! Ich war ja gar nicht „da“!

Ich brauchte eine Person, die diese spezielle Notsituation verstehen konnte. Die mir erst mal den Raum gab, dafür Worte zu finden und wohlwollend bei mir blieb – auch wenn ich manchmal traurig, wütend und unangemessen war.
So fand ich zu Katja, die mir all’ das gab. Katja vermittelte mir das Gefühl, dass es vollkommen ok war, wie es mir ging. Es war unglaublich erleichternd für mich zu erfahren, dass diese Emotionen Teil meines persönlichen Weges sind. Diese Erkenntnis sollte ich dringend brauchen.

Mittlerweile war das neue Jahr angebrochen und 2016 sollte das Jahr der großen
Veränderungen für mich werden. Cody befeuerte das indem er einfach bei seiner
Meinung blieb, so lange ich nicht aus seiner Sicht souverän genug war. Erst wenn ich in Situationen ruhig war und auch dabei blieb, konnte er abgeben.

Was mich ja richtig „wuschig“ machte: Er fragt bis heute ständig nach! Ob ich das ernst meine, ob das so richtig ist, ob er nicht doch….

Aber jetzt weiß ich mehr über ihn – und über mich. Ich verstehe jetzt, dass es nicht bedeutet, dass ich Fehler mache weil er so ist.

Es ist seine Aufgabe, seine Qualität, seine besondere Fähigkeit mich zum wachsen zu animieren.

Bis heute geraten wir in Themen. Seine Herausforderungen sind auch die meinen und umgekehrt. Manchmal ist es schon noch anstrengend. Aber es ist viel leichter, weil wir uns austauschen können.

Also bin ich genug?
Ja, ich war es immer. Ich musste nur lernen es zu sehen – und zu glauben!
Und Cody? Sieh selbst ☺

© Wiebke Grimmig

November 2015

Mai 2018